Kürzlich musste ich erklären, wie und was ich schreibe. Ziel sollte sein, Teilnehmerinnen zu begleiten vom Text bis zum fertigen Buch. Dieses Ansinnen hat ein ziemliches Unbehagen in mir ausgelöst, was ich zum Glück kanalisieren konnte, indem ich erklärte, dass ein Buch ein Ergebnis ist, mein Schreiben als Ergebnis aber den Prozess des Schreibens hat. Hört jemand “Prozess”, rückt mein Angebot sofort in die Nähe von Therapie und Selbstreflexion. Ich denke, das ist oft bei einem Buch nicht anders, oder?

Ganz unabhängig von therapeutischen Interventionen kann das Schreiben jedoch raum- und blattfüllend sein, wenn ich mich nur mit dem beschäftige, was ich wahrnehme. Wenn ich versuche zu beschreiben, was ich sehe, was ich höre, was ich fühle – wie zum Beispiel bei einem Fußbad. Ein Fußbad haben wir vor einiger Zeit in meiner Schreibwerkstatt gemacht. Woran erinnert es mich? Welche Worte fallen mir ein, wenn ich beschreiben möchte, wie die Wasseroberfläche an mein Bein trifft oder wie ist es darüber, über dieser Wasseroberfläche, wenn das Bein da wieder mit dem Element “Luft” Kontakt hat? Hier geht es um das sinnlich Wahrnehmbare und damit ist das Schreiben eine Schulung der ästhetischen Wahrnehmung. Ästhetisches Empfinden ist für jedes künstlerische Tun unabkömmlich und ihr “Training” bewirkt, dass ich mit weitaus offeneren Sinnen durch die Welt gehe und das Leben so intensiver wahrnehmen kann.