Kunstorientiertes Coaching in Teamprozessen ist sehr hilfreich, um in der Sprache des “Hier-und-Jetzt” zu bleiben. Normalerweise besteht die Gefahr, wenn ich mit einer Gruppe zusammenarbeite darin, dass schnell Sätze fallen wie: immer wenn Du…. , jedesmal wenn ich.… usw. Diese Sätze werden im Arbeitsalltag gesprochen, es sind Sätze, die im “Jetzt” des Coachings bereits vergangen sind. 
Sobald ich jedoch einführe, dass wir gemeinsam etwas künstlerisch darstellen, erstellen, konstruieren, verwerfen, wieder neu erschaffen, können wir das Gemeinsame betrachten, was wir geschaffen haben, aber auch die schwierigen Einigungsprozesse, die letztlich zum Gesamtergebnis geführt haben. Ich eröffne dem Team also einen Spielraum, der ganz losgelöst vom Berufsalltag ist, denn hier geht es erst einmal nur darum, die Aufgabe gemeinsam zu bewältigen, alle Konzentration liegt auf dieser neuen Art (künstlerisch) der Herausforderung. Dazu kann ich als Coach zum Beispiel auch den Rahmen bestimmen, dass alles, was im Spielraum passiert, wortlos, also ohne Absprachen, passieren muss. In einer späteren Analyse des Spiels kommt es dann sehr zuverlässig zu den gleichen gut gelingenden Sachen, die uns im Job das Arbeitsleben erleichtern, aber auch zu den leider auch nicht so gut gelaufenen Aktionen, die während des gemeinsamen Gestaltens auffällig waren. Hier entsteht ein Redebedarf, der von allen Mitwirkenden geteilt werden kann.

Ein Beispiel: Ein Team von 8-9 Menschen möchte das Zusammenspiel mit einem Coaching verbessern. Nach einer ersten Ist-Analyse und der Erarbeitung eines möglichen Soll, wird die Gruppe aufgefordert, ein Kunstwerk gemeinsam zu gestalten. Nach der Reflexion über den Prozess, werden die Teilnehmerinnen gebeten, sich auf einen gemeinsamen Titel für das Werk zu einigen. Im Einigungsprozess, der einige Zeit in Anspruch nimmt, ergreift eine Person das Wort und entscheidet schließlich – um möglicherweise ein schnelles Ende zu provozieren – wie der Titel denn jetzt sein soll. Zunächst stimmen alle zu. In der anschließenden Befragung, stellt sich jedoch schnell heraus, dass sich die anderen Gruppenmitglieder von diesem hastigen Ablauf doch “überfahren” gefühlt haben und können dann auch Beispiele bringen, wie es “…kürzlich ähnlich gelaufen ist…” Erst jetzt versteht die betreffende Person anscheinend, wie sie häufig Entscheidungen für das Team fällt. Die Spielraumerfahrung hat ein vom Kontext losgelöstes aber alltagstypisches Verhalten auffällig gemacht. Nur so konnte die Person die Kritik ihrer Kollegen annehmen. Das wäre anders gelaufen, wenn ihr die Beispiele aus dem Berufsalltag abstrakt vor die Füße geworfen worden wären.